Sub Cruce Cotidiana

Matthias am 28. September 2018 um 04:23

Der erste Monat ist um. Mittlerweile haben wir uns zwei Wohnungen angesehen. Beide waren okay, aber nicht wirklich toll; der Funke ist nicht übergesprungen. Je mehr wir über das Ausziehen nachgedacht haben, ist uns auch aufgefallen, dass wir es eigentlich gar nicht eilig haben: Unser Zimmer hier im Kathleen Lumley College ist schön, wir bekommen Essen, und vor allem haben genießen wir die Gesellschaft; jeden Morgen und jeden Abend, und am Wochenende unternehmen wir hin und wieder etwas mit Leuten hier aus dem College. Letzten Sonntag zum Beispiel waren wir wandern in Morialta Conservation Park, einem Nationalpark in den Hügeln um Adelaide. Aber dazu später mehr.

Franzi hat jetzt auch ihre eigene Schlüsselkarte und ein Büro bekommen, sie ist also jetzt offiziell als Gast registriert. Seit gestern hat sie sogar auch Zugang zum Fahrradschuppen auf dem Campus.

Mittags gehen wir immer essen, fast immer in einen der Food Courts in einer der nahegelegenen Malls: Einen Block vom Universitätscampus entfernt ist die Rundle Mall, eine zentrale Fußgängerzone in der Innenstadt, an die auch viele Kaufhäuser und Shopping Malls angrenzen. Essen in einem der Food Courts kostet zwischen 8 und 12 $AUD; es gibt dort dann jede Menge kleine Geschäfte, wo man Essen kaufen kann, meistens jede Menge Asiatisches oder indisches, aber auch eine Salatbar, Subway oder einen Burgerladen. Der Vorteil, wenn man mit einer Gruppe geht ist, dass jeder sich aussuchen kann, was er essen möchte, man sich aber trotzdem an einem der Tische in der Mitte treffen kann zum gemeinsamen Essen.

Das Ingkarni-Wadli-Gebäude; in den oberen beiden Stockwerken sitzt die Mathematik.

An Mittagsrunden haben wir im Wesentlichen zwei Optionen: Entweder wir gehen mit Mathai (meinem Advisor) und der Arbeitsgruppe, oder wir schließen uns der „deutschen“ Essensgruppe von Thomas und Peter an. Thomas ist ein Deutscher, der schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Adelaide wohnt. Peter ist auch schon länger hier; er ist ein Niederländer, der aber aufgrund längerer Deutschlandaufenthalte sehr gut deutsch spricht. Hier ist dann also die Verkehrssprache deutsch, wenn nicht noch Mike dazustößt, ein Australier, der zwar auch etwas deutsch spricht, aber nicht gut genug um es uns zu ermöglichen guten Gewissens deutsch zu reden 😉

Abends gehe ich an zwei Tagen in der Woche (montags und donnerstags) zum Capoeira. Es gibt hier eine kleine Gruppe mit sehr netten Menschen, was darüber hinwegtäuscht, dass das Training im Keller stattfindet, ohne natürliches Licht. Momentan ist das kein Problem, da es zu Trainingsbeginn um 18 Uhr ohnehin schon (fast) dunkel ist, aber das ändert sich ja jetzt rapide. Interessant ist auch: Es gibt keine richtigen Umkleideräume und keine Duschen, aber Peter hat behauptet, dass es in Australien ohnehin nicht so üblich ist, in Sporteinrichtungen zu duschen; die meisten gehen nach Hause, um dort zu duschen. Hier ist es gezwungenermaßen so. Ansonsten ist das Training aber wie immer ein willkommener Ausgleich zum Arbeitsalltag. Das Essen bekomme ich an den Capoeira-Tagen übrigens as „late dinner“ eingepackt, ich kann es mir dann aus einem Kühlschrank im Gemeinschaftsraum holen und aufwärmen.

Franzi hat letzte Woche eine Probemitgliedschaft im Gym gehabt, wo sie dann auch fast jeden Tag zu verschiedensten Kursen war: Core, Pilates, Strength Plus und wie sie alle hießen. Ob sie sich jetzt längerfristig bindet, ist sie noch am Überlegen.

Soviel Geschwafel zu unserem Alltag. Da der Blogeintrag jetzt schon lang genug ist, schreibe ich erst einmal nichts weiter zu unserem Wochenendausflug; das muss bis zum nächsten Eintrag warten.

Unser Leben Down Under

Matthias am 17. September 2018 um 15:34

Ich mache es mir heute mal einfach und übernehme Franzis Bericht aus der Familien-WhatsApp-Gruppe 😉

So langsam leben wir uns hier ein. Jeden morgen laufen wir am River Torrens zur Uni. Dieser Fluss ist wirklich malerisch.

Diese Brücke führt dann nach rechts zur Uni. Der Fluss verläuft quer durch Adelaide und mündet schließlich ins Meer. Am Ufer ist zur Zeit eine Entenfamilie mit 16 Kindern zuhause.

Leider waren es heute nur noch 15 .

In den Bildern unten kann man das Adelaide Oval erahnen, ein Stadion für Australian Football und Cricket.

Dies ist ein Blick von der Fußgängerbrücke, die zum Oval führt.

Und hier das Oval von innen.

Auf dem Rückweg habe ich die Entenfamilie noch einmal gesehen. .

Da wir hier im College Frühstück und Abendbrot bekommen, haben wir schon einige Leute kennen gelernt. Letzten Samstag hat eine Mitbewohnerin anlässlich ihres Geburtstages ein Barbecue veranstaltet, wo dann anschließend noch Musik gemacht wurde.

Diesen Samstag sind wir mit ein paar Leuten vom College zum Meer gefahren und sind den Marino-Hallett Cove Walk entlang gewandert. Man erreicht Marino mit dem Zug (bzw. eher eine Art Metro), die von dem Hauptbahnhof in Adelaide nach Süden die Küste entlangführt. Es war ziemlich schlechtes Wetter vorhergesagt worden, aber tatsächlich war es ein wunderschöner sonniger Tag. Bis auf 10 Minuten Hagel zwischendurch – für einige war es das erste Mal in ihrem Leben.

Nach einem leckeren Mittagessen sind einige von uns dann noch weiter nach Seaford gefahren, dem südlichsten Punkt, den man mit der Bahn erreicht. Dort fließt der Fluss Onkaparinga ins Meer. Es war herrlich sich dort die Seeluft um die Nase wehen zu lassen.

Plötzlich sind alle Möven, die an einem kleinen Strandabschnitt dicht gedrängt gesessen hatten, auf einmal losgeflogen.

Als ob der Tag nicht schon schön genug gewesen wäre, haben wir auf der Rückfahrt mit dem Bus auch noch rund 20 Känguruhs auf einmal auf einer Wiese gesehen. Zwei von ihnen standen sich aufrecht gegenüber und haben geboxt. .

Gestern, am Sonntag, waren wir im Adelaide Zoo. Nach demjenigen in Melbourne ist dieser der zweitälteste Zoo Australiens und liegt direkt gegenüber vom College. Von unserem Zimmer aus können wir regelmäßig die Tiere hören.

Vor dem Zooeingang stehen Bäume, in denen tagsüber Hunderte von Fledermäusen hängen. o.o

Nilpferd Brutus ist schon 52 und hat all seine Kinder überlebt. Nur ein Enkel und Urenkel leben noch, wohnen aber in anderen Zoos Australiens. Er ist inzwischen zu hundert Prozent blind auf beiden Augen.

Den Affen in diesem Gehege könnte ich ewig zusehen.

Koalas dürfen natürlich nicht fehlen.

Und Känguruhs auch nicht 8-).

Diese süßen Erdmännchen wurden gerade erst geboren und waren gestern zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen.

Mit dem Streicheln von Quokkas endete schließlich unser Zoobesuch :-).

The Royal Adelaide Show

Matthias am 9. September 2018 um 04:35

Die erste Woche in Adelaide ist rum. Die ersten Tage in der Uni, Mittagessen mit den Kollegen und viele Besorgungen. Was man eben so macht, wenn man wo neu ist: Handyvertrag, Bankkonto, Einstellungsformalien und so weiter. Nebenbei auch ein bisschen arbeiten und sich in der Stadt zurecht finden. Das waren die ersten paar Tage.

Übrigens wohnen wir hier ja im KLC, dem Kathleen Lumley College, in North Adelaide. Das praktische: Jeden Tag gibt es hier Frühstück und Abendessen. Das Rundum-Sorglos-Paket für den Anfang also, inklusive mit jeder Menge neuer Kontakte durch die College-Gemeinschaft. Nicht nur beim Essen; gestern beispielsweise gab es ein Barbeque im Hof des Colleges, eine der Bewohnerinnen hatte Geburtstag.

Heute aber war Sonntag. Der einzige Tag im College, an dem es kein Essen gibt. Also mussten wir auf ein Kaffee ausweichen. Ich hatte Toasts mit Rhabarber/Ricotta-Creme, Spinate und pochierten Eiern obendrauf. Franzis hatte ebenfalls pochierte Eier, aber auch Avocado, Tomaten und Feta. Soviel Extravaganz hat natürlich auch ihren Preis. Nun ja, wenn wir unsere eigene Wohnung haben, dann gibt es wieder Frühstück wie in good ol‘ Germany.

Tagsüber stand dann heute die „Royal Adelaide Show“ auf dem Programm. Ein einwöchiges Event, das einmal pro Jahr in Adelaide stattfindet. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um eine Landwirtschaftsshow: Bauern können ihre bestgezüchteten Tiere vorstellen, Städter ihre Haustiere (die werden dann prämiert), es gibt Wettbewerbe wie Holzfällen und Axtweitwurf, Pferderennen, jede Menge Fressbuden, Weinverkostungen und zu allem Überfluss noch einen Jahrmarkt mit vielerlei Fahrgeschäften.

Auch Franzi züchtet ab jetzt Schafe und Alpakas:

Auch ein Publikumsliebling: Das Schweinerennen. Unser Schwein ist das rote, das leider nur einen knappen zweiten Platz verteidigen konnte. Im Bild sieht man auch die grüne Gitterrampe; hier laufen später die Schweine hoch und springen dann über das Tuch hinweg in den Wassertank. Dann gibt’s Futter. Oink!

Sehr hübsch auch die Hühnerpunks:

Alles in allem ein ziemliches Spektakel, bei dem man sich andererseits immer wieder fragt, wo man hier eigentlich gelandet ist. Beispielsweise in der Haustierhalle, Bereich Katzen, wo dann in einer langen Reihe jede Menge Katzenbesitzer vor ihren prämierten Katzen sitzen, die in samtverkleideten Käfigen sitzen und nichts tun. Oder wenn sich eine handvoll Männer darin misst, einen Sandsack mit einer Heugabel über eine 10 Meter hohe Querstange zu messen.

„Das sollte man schon mal gesehen haben… vielleicht auch nicht häufiger, aber einmal lohnt sich das sicher“, mit diesen Worten wurde uns die Sache ans Herz gelegt. Und ziemlich genau so war es auch. Ob wir im nächsten Jahr noch einmal hingehen, wird man sehen.

Der Abschluss war jedenfalls sehr versöhnlich: Ein kostenloses Wine Tasting. Vier Gläser Wein in 20 Minuten, und dann ab nach Hause.

Erste Stunden in Adelaide

Matthias am 3. September 2018 um 02:54

Endlich sind wir nun in unserem Zimmer, in dem wir die nächsten Wochen verbringen werden.

Nach unserem Abflug am Donnerstag nachmittag um 17:55 von Berlin-Tegel sind wir um 0:30 Ortszeit (23:30 unsere Zeit) in Doha, der Hauptstadt von Katar angekommen. Wegen der Katar-Krise musste unser Flugzeug übrigens einen kleinen Umweg nehmen.

Nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug mussten wir durch eine kurze Sicherheitskontrolle (keine Schlange), einmal die Treppe runter, um die Ecke, und schon lag dort unser Hotel, mitten im Flughafen. Transit only, wir mussten also nicht einmal nach Katar einreisen. Nichts fühlte sich um diese nachtschlafende Zeit besser an, als jetzt hier ins Hotel einzuchecken, und sich auf das bequeme Bett fallen zu lassen. Inbesondere nachdem der Informationsangestellte der Frau neben uns, die ebenfalls mehrere Stunden Aufenthalt hatte, den Weg zum Ruheraum gewiesen hatte… definitiv die unkomfortablere Option.

Nach einer wunderbaren Mütze Schlaf mussten wir dann einfach nur aus dem Hotel vor die Tür gehen, um in einem der Food Courts zu frühstücken. Da es da eigentlich auch schon fast mittag war, entschieden wir uns, direkt herzhaft anzufangen:

Anschließend reichte dann etwa eine halbe Stunde, um den (sehr modernen und architektonisch durchaus nicht uninteressanten) Flughafen von Doha zu erkunden; anschließend verbrachten wir einige Zeit im Fitnessstudio, nur um dann wenig später erneut eine Kleinigkeit zu Abend zu essen. Dann wurde es auch schon Zeit: Um 19 auschecken, um 19:15 beim Gate, und: Adelaide, wir kommen.

Kurzer Einschub: Ja, man hätte jetzt auch schnell ein Transitvisum für Katar beantragen können, in die über 40 Grad Außentemperatur hinaustreten um mit dem Bus die vielen Sehenswürdigkeiten Dohas auszukundschaften; wir hätten uns sicher darauf verlassen können, dass uns die sicherlich sehr zuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel rechtzeitig zum Flughafen zurück bringen würden, wo wir dann bestimmt auch pünktlich wieder die Sicherheitskontrolle passiert hätten, um unseren Flieger zu erwischen. Wir dachten, wir lassen das mal.

Naja, 13 Stunden Flug später kamen wir pünktlich um 16 Uhr Ortszeit am Samstag im grauwolkigen Adelaide an. Der erste Eindruck unseres Zimmers war ziemlich ernüchternd. Anstatt des modernen Zimmers, das ich noch im Juni bewohnt hatte, war uns der Schlüssel für ein dunkles Zimmer hinterlegt, mit Möbeln, die sicherlich schon einige Studentengenerationen mehr oder weniger gut überlebt hatten, einem Bett, wo am Rande die Federn aus der Matraze stachen, und das zusätzlich noch nicht richtig sauber gemacht war (wie wir erst später feststellten, lag sogar noch eine leere Plastikflasche unter dem Bett). Die Willkommensparty war also eher vermasselt.

Dafür gab es erst einmal Abendessen. Im Kathleen Lumley College gibt es Montag bis Samstag Halbpension. Das Rundum-Sorglos-Paket für den Anfang also… wenn nur das unerwartet triste Zimmer nicht wäre.

Der nächste Tag war dann aber schon freundlicher. Es war ja ein Sonntag, das heißt keine Verpflegung im College, und so gab es drei Mahlzeiten, die wir benutzen konnten, um Restaurants in unserer Umgebung auszuprobieren. Dazu viel Zeit draußen, und möglichst wenig Zeit in unserem Zimmer.

Heute, Montag, ging es dann bei mir auf der Arbeit los. Büro zugewiesen bekommen, Schlüsselkarte, E-Mail-Account. Am Nachmittag dann alles erledigt, was man so machen muss: Handyvertrag, Bankaccount, etc.

Und am Abend dann endlich: Umzug in ein neues Zimmer. Wir hatten gebeten ein neueres zu bekommen, mit moderneren Möbeln und vor allem einem besseren Bett. Hier fühlen wir uns jetzt endlich wirklich wohl.

QR082

Matthias am 30. August 2018 um 05:22

Nun geht es also los.

Also noch nicht jetzt sofort, aber in etwa zwei Stunden. Dann fliegen wir von Berlin Tegel nach Doha, übernachten dort im Flughafenhotel, um dann am Freitag, dem 31. August 2018, weiter nach Adelaide zu fliegen.

„Aktivierst du dann eigentlich wieder deinen Blog?“, wurde ich im Vorfeld gefragt. Mittlerweile gibt es diesen Blog schon 10 Jahre, aber mit sehr wechselhafter Aktivität. Normalerweise habe ich ihn immer wieder ausgegraben, wenn Veränderungen oder Reisen anstanden: So finden sich hier Reiseberichte, Einträge zu meinem Erasmus-Semester in Schweden, sowie Berichte von meinem Austauschjahr in Stanford.

Mittlerweile ist der letzte Eintrag aber schon vier Jahre her. Zwischendurch ist einiges passiert, zum Beispiel habe ich einen Menschen gefunden, der verrückt genug ist, mir bis ans Ende der Welt, nach Australien zu folgen. Reisemäßig fehlt zum Beispiel der Roadtrip durch die Vereinigten Staaten letzten Sommer mit besagter Person, oder mein Aufenthalt in Berkeley dieses Frühjahr.

Vielleicht hätte ich also den Blog völlig vergessen. Zum Glück haben einige nachgefragt und mich so am Vergessen gehindert. Schauen wir also mal, mit welcher Regelmäßigkeit dieser Blog weitergeführt wird; ich bin zumindest wild entschlossen.

Grüße von Berlin Tegel!

Assoziationen zu Afghanistan

Matthias am 3. März 2014 um 22:22

Über Capoeira habe ich Fahim und Suleiman kennengelernt, beide aus Afghanistan. Beide haben in Stanford studiert (Suleiman ist übrigens Fulbright-Alumnus) und arbeiten jetzt in der Bay Area. Beide wollen nicht nach Afghanistan zurück, beide scheinen die Hoffnung eher aufgegeben zu haben, dort eine Zukunft für sich zu finden. Fahims Familie ist auch zum größten Teil nicht mehr in Afghanistan sondern auf Graz und Berlin verteilt (ja, Graz, die Stadt, aus der meine Mitbewohnerin Anna kommt. Zufälle gibts…). Als er im Herbst seine Schwester in Berlin besucht hat, habe ich ihn dann auch zum Capoeiratraining geschickt. Nennt man das Völkerverständigung, wenn ein in Amerika wohnender Afghane in Deutschland bei einem Brasilianer Kampfsport trainiert?

Najla, eine Afghanin, die ich im Rahmen des Seminars in New Orleans kennengelernt habe, schien da schon optimistischer zu sein, was die Zukunft Afghanistans angeht. Als Austauschstudenten in den USA haben wir ohnehin die Pflicht, nach Ende des Stipendiums mindestens zwei Jahre in unsere Heimatländer zurückzukehren (um die gewonnenen Erkenntnisse dort weiterzugeben). Es gibt zwar wohl Möglichkeiten, darum herumzukommen, aber sie schien im Gegenteil voller Tatendrang, in Afghanistan etwas zu bewegen.

Der Ex-Freund meiner Mitbewohnerin Anna ist Soldat bei der Bundeswehr und war dieses Jahr mehrere Monate in Afghanistan stationiert. Der Besitzer des Hostels im Yosemite-Park hatte gerade Freunde zu Gast, als wir dort waren. Die Männer der Runde kannten sich alle von der US-Armee – einer war bei den Marines und einer bei der Airforce; beide waren in Afghanistan studiert. Das also ist die andere Seite.

Vor ein paar Wochen war bei der Daily Show in New York Malala Yousafzai zu Gast, deren Geschichte um die Welt ging: Sie kommt aus dem Swat-Tal in Pakistan, an der Grenze zu Afghanistan, das in den letzten Jahren ein Zentrum des Kampfes zwischen Taliban und pakistanischer Armee gewesen ist und noch immer ist. Malala hat einen Blog über das Leben als Mädchen unter den Taliban geschrieben und wurde so eine öffentliche Figur im Kampf um das Recht auf Bildung für Mädchen und gegen die Unterdrückung von Frauen. Die Taliban schossen ihr dafür ins Gesicht, sie überlebte und lebt jetzt in London. Sie hat ein Buch geschrieben („I am Malala“), und ihr Auftritt hat mich dazu animiert, es zu lesen.

Ihr Name kommt von der afghanischen/paschtunischen Volksheldin Malalai von Maiwand, die der Legende zur Folge die Fahne aufhob und den Soldaten voran in die Schlacht trug, nachdem der Fahnenträger verwundet worden war. Sie ließ dafür ihr Leben, aber die afghanische Armee errang den entscheidenden Sieg über die britischen Truppen. Das war 1880. Tatsächlich war dies dieselbe Schlacht, bei der Sherlock Holmes’ Partner Dr. Watson verwundet wurde, wie man in „Eine Studie in Scharlachrot“ nachlesen kann.

150 Jahre später wird „Sherlock“ als Serie in modernem Setting neu verfilmt. Die dritte Staffel kommt 2014 heraus. Die Serie spielt in heutigen London. Genau wie im Original sind die Londoner Immobilienpreise unbezahlbar, weshalb Sherlock Holmes und Dr. Watson gezwungen sind, zusammenzuziehen; und genau wie im Original Dr. Watson ist ein verwundeter Afghanistan-Heimkehrer. Es passt alles zusammen.