Kirchentag mit Knecht Dietrich

Seit letztem Mittwoch war ich beim evangelischen Kirchentag in Bremen. Gesamtresümee: Man erkannte seine Stadt nicht wieder.

Gestern abend war dann ein Konzert auf der Bühne vorm Hauptbahnhof, Arne und ich chillten uns mit Getränken am Rand auf den Boden, wo wir nette Leute aus Flensburg kennenlernten (einen Gruß an dieser Stelle an Charlotte). Irgendwann wurden Kerzen verteilt, die wir in unserem Kreis auf den Boden klebten, was die Lauschigkeit noch einmal deutlich erhöhte. Das fanden offenbar auch die Leute, die an uns vorbeigingen, denn ein ums andere Mal wurde unsere Runde fotografiert mit den Worten „was für ein schönes Bild“. Und die Leute, die nach Hause gingen, ließen vielfach ihre Kerze bei uns, so dass wir bald richtig viele Kerzen hatten. Echt zauberhaft.

Aber was wäre das Vor-dem-Bahnhof-Sitzen ohne einen Irren, der einen versucht von irgendeiner Verschwörungstheorie zu überzeugen. So Knecht Dietrich (das „Knecht“ kommt von irgendeiner Bibelstelle, er sagt, er ist ein überflüssiger unnützer Knecht des Herrn), der Flugblätter verteilte. Es ging um eine neue Gesellschaftsordnung, die nach dem Ende des dritten Weltkrieges (der – angeblich laut einem Spiegelbericht von 1981 – unweigerlich am Ostersonntag 2029 begänne) etabliert werden solle. Knecht Dietrich sagte, er habe dafür auch vor drei Wochen mit 100000 Menschen in Berlin demonstriert. Vielleicht hat er auch das eine oder andere in den falschen Hals bekommen.

Ach ja, dabei war auch ein offener Brief von Knecht Dietrich an ein Vormundschaftsgericht, das sich wohl mit ihm beschäftigte. „untertänigst, Gottes unnützer Knecht Dietrich“.

Das ganze war übrigens unglaublich sorgfältig per Hand geschrieben, was man erst beim dritten Mal hingucken bemerkte, daran, dass sich die Buchstaben ganz minimal unterschieden.

Als ich aber heute die Zeitung aufschlug, blieb mir die Spucke weg. Folgender Ausschnitt ist aus dem „Kurier am Sontag“, der Sonntagsausgabe des Weser Kuriers.

Knecht Dietrich

Ohne Worte.

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