Kangaroo Island

In der ersten Märzwoche waren wir auf Kangaroo Island, einer großen Insel vor der Küste von Australien, etwas südlich von Adelaide. Eine Woche Urlaub zu zweit, bevor wir dann erst wieder zu zweit in Urlaub fahren wenn wir schon alt und grau sind 😉

Nach Känguruh Island kommt man mit einer sehr teuren Autofähre (knapp 500$ für uns beide und das Mietauto) und dann landet man in einem kleinen Küstenort namens Penneshaw. Wir hatten ein geräumiges Ferienhaus in Kingscote, dem größten Ort auf Känguruh Island, und direkt am Anreisetag bekamen wir einen guten Eindruck von den Dimensionen der Insel, als wir nach Anlandung erst einmal noch 45 Minuten mit dem Auto zu unserer Unterkunft fahren mussten — und dabei befinden sich sowohl Penneshaw als auch Kingscote so ziemlich im Osten der Insel.

Übrigens war es die ganze letzte Woche in Adelaide unterträglich heiß gewesen, mit Temperaturen täglich über 30 Grad; am Donnerstag und Freitag erreichte das Thermometer sogar die 40-Grad-Marke und auch nachts sank die Temperatur nicht mehr nennenswert unter 30 Grad. Auf Känguruh Island dann der Wetterwechsel: Am Anreisetag war es noch sehr warm und wir setzten uns nach Ankunft erst einmal in unser Wohnzimmer und drehten die Klimaanlage auf. Dann um 17 Uhr die Überraschung: Es war tatsächlich kühl und windig draußen, und auf unserem Abendspaziergang mussten wir sogar den Pullover anziehen. Welch ein Genuss!

Einen guten Eindruck davon, wie ausgestorben Känguruh Island ist, bekamen wir dann am zweiten Tag: Wir fuhren zum einzigen „Event“, das für unserer Woche auf der Insel auf den einschlägigen Internetseiten beworben wurde, dem Farmer’s Market in Penneshaw. Dabei handelte es sich um genau 9 Stände mit allerlei Krimskrams: Die eine verkaufte hausgemachte Marmelade und Chutneys, die andere selbstgeflochtene Bastkörbe, eine weitere Kühlschrankmagneten mit Känguruh-Island-Motiven, und natürlich gab es noch einen Kaffeestand. Gemüse oder so gab es nicht. Dafür sorgte ein Mann mit Gitarre für eine gute Stimmung bei den Besuchern, die gegenüber den Standbesitzern trotz deren geringer Zahl noch in Unterzahl waren (es handelte sich um eine Familie mit kleinem Kind und uns).

Anschließend fuhren wir denn eine nicht asphaltierte Straße die Küste entlang, um den Ostteil der Insel südlich von Penneshaw zu erkunden. Zunächst der Lashmar Conservation Park: Hier gibt es einen kleinen Fluss, der — typisch Australien — kurz vor dem Meer versandet, sowie einen wunderbaren Strand wo wir herrlich baden konnten. Wir waren übrigens die ganze Zeit ganz alleine auf weiter Flur. Nach ausreichendem Am-Strand-Liegen fuhren wir dann noch die Schotterstraße zu Ende, zum Cape Willoughby, wo es einen Leuchtturm gibt; leider alles geschlossen und keine Menschenseele weit und breit. Zu viel los ist hier jedenfalls nicht.

Die nächsten beiden Tage erkundeten wir dann weitere Strände: Seal Bay (dort darf man nur aus der Ferne die Seelöwen begucken, die dort am Strand liegen), Vivonne Bay, Stokes Bay und Emu Bay. Besonders Stokes Bay ist eine tolle Erfahrung, da man erst eine schmale Schlucht durch den Fels passieren muss (teilweise muss man sich ducken), bevor der Strand sich vor einem öffnet. Baden kann man hier aber wegen zu starker Stömungen nicht. So schlimm war das aber nicht, denn mittlerweile hatte es sich ohnehin noch weiter abgekühlt und der Wind war ziemlich stark, so dass es einem ohnehin nicht so sehr nach Baden zumute war. Im Gebüsch vor der Felspassage sahen wir übrigens noch zwei kleine Wallabies, die ersten Känguruhs, die wir auf der Insel gesehen haben (abgesehen von vielen Toten am Straßenrand).

Nach einem Ruhetag am Mittwoch fuhren wir die nächsten beiden Tage zum Nationalpark Flinders Chase. Hier betrachteten wir die Remarkable Rocks, faszinierend geformte Steine direkt an der Steilküste. Direkt daneben gibt es das Kap Couedic, an dessen Felsenküste man hunderte von Fur Seals aus nächster Nähe beobachten konnte, eine heimischen Seehundart. Das beeindruckenste war aber der Admiral’s Arch, eine riesige natürliche Brücke am äußersten Ende des Kaps.

Am nächsten Tag fuhren wir noch einmal nach Flinders Chase um eine Wanderung zu den Schnabeltiertümpeln zu unternehmen. Wer Schnabeltiere nicht kennt: Sie haben Fell wie ein Seehund, einen Schwanz wie ein Otter, Schnäbel wie eine Ente, sie legen reptilienartige Eier, und säugen anschließend ihre Jungen in einem Beutel. So etwas gibt es nur in Australien 😉 Leider waren die Tümpel größtenteils ausgetrocknet, so dass die Schnabeltiere vielleicht noch im Sommerschlaf waren, und es war wohl auch nicht die richtige Tageszeit, jedenfalls hatten wir kein Glück mit der Sichtung. Zur Entschädigung lief uns jedoch ein Schnabeligel (auch Ameisenigel genannt) über den Weg, der ohne uns weiter zu beachten, an Baumrinden herumscharrte. Ameisenigel sind die zweite eierlegende Säugetierart; sie sind ebenfalls Beuteltiere, haben aber lange Stacheln wie ein Igel und eine lange Schnauze wie ein Ameisenbär.

Unserem letzten Tag auf Känguruh Island wollten wir noch einmal am Strand verbringen. Da wir nach jeweils 200 km Fahrt an den letzten beiden Tagen nicht mehr ganz so viel Zeit im Auto verbringen wollten, entschieden wir uns ganz unbedarft für die nahegelegene Pennington Bay und landeten damit einen Volltreffer. Ein wunderschöner Strand mit einer atemberaubenden Küstenlandschaft und sogar einem mobilen Kaffeestrand, dem „Beach Barista“. Das beste aber: Gerade als wir ankamen, zogen ein Dutzend Delfine die Küste entlang, und man konnte sie wunderbar dabei beobachten, wie sie die riesigen Wellen langsurften.

Am Abreisetag machten wir noch einen längeren Strandspaziergang am Island Beach auf dem Weg nach Penneshaw, bevor wir zum Fähranleger weiterfuhren. Bemerkenswert: Als wir an einem Haus vorbeifuhren, sahen wir auf dem Hof ein riesiges Känguruh stehen (aufgerichtet bestimmt mannshoch), was ganz entspannt ein bisschen Gras kaute.

Zum Abschluss noch einmal Baden in der Hog Bay, direkt neben dem Fähranleger. Es war wieder relativ warm geworden, und das wunderbar klare Wasser bot eine herrliche Erfrischung zum Abschluss.

Alles in allem war es ein sehr schöner entspannter Urlaub. Känguruh Island ist sicherlich eine Reise wert. Einziges Manko: Die großen Distanzen. Wenn man die Sehenswürdigkeiten alle sehen möchte, muss man schon damit rechnen, täglich einige Zeit im Auto zu verbringen.

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