Creswick

In den ersten beiden Februarwochen fand der „Australian-German Workshop on Differential Geometry in the Large“ statt, eine zweiwöchige Konferenz im noch ziemlich jungen MATRIX-Institut in Creswick, etwa anderthalb Stunden außerhalb von Melbourne. Das Matrix-Institut liegt in einem mittlerweile weitestgehend stillgelegten Außencampus der Universität Melbourne, wo früher (und wohl auch teilweise heute noch) angehende Förster das Förstern lernten. Creswick ist ein Ort von wenigen hundert Seelen und einem Pub (dem „Farmer’s Arms“, wo es nebenbei gemerkt gutes Bier und recht leckeres Essen gibt). „In Australien gibt es zwei Arten von Orten:“ meinte einer, „die ohne Ampel und die mit.“ Nach dieser Wertung (und wirklich nur nach dieser), ist Creswick ein großer Ort, denn es gibt tatsächlich eine Fußgängerampel in der Mitte des Ortes, über die Hauptstraße.

Der besagte Campus liegt am Rand des Ortes auf einem Hügel, und direkt danach folgt der Wald. Wie gesagt, Förster und so. Dementsprechend konnte man, wenn man abends vor der Dämmerung einen Rundgang durch den Wald machte, einige Känguruhs sehen, und manche wagten sich auch bis auf die Wiesen auf dem Campus vor, um zu grasen. Auch Schwärme von Kakadus machen das Gelände unsicher, und jeden Abend und jeden Morgen (ab etwa 4-5 Uhr) sammelten sich diese auf den Bäumen gegenüber unseres Zimmers. Eine unglaublich Geräuschkulisse, derer man nur mit Ohrenstöpseln einigermaßen Herr werden konnte.

Creswick befindet sich ganz in der Nähe der ehemaligen Golgräberstadt Ballarat, wohin wir an einem Konferenznachmittag einen Ausflug machten. Genauer gesagt, gibt es dort ein Freilichtmuseum mit einer alten Goldgräberstadt. Dort konnte man selber an einem Fluss nach Gold suchen (wir erfuhren, dass jeden Tag 160$ in winzigen Goldnuggets dort ausgeschüttet werden, die man dann finden und in kleinen Phiolen mit nach Hause nehmen konnte). Auch gab es ein Bergwerk, in das man hinunterfahren konnte (allerdings gegen einen Aufpreis), man konnte Goldgießen und Münzprägen begutachten, und etwas über die Geschichte der Gegend lernen. In einem Teil des Camps gab es auch das „chinesische Lager“, wo die Slumähnlichen Siedlungen der chinesischen Einwanderer nachgebildet, und die rassischen Ungerechtigkeiten dokumentiert waren, denen diese ausgesetzt waren. Ziemlich ähnlich zum Goldrausch in Kalifornien, fiel den amerikanischen Gästen in unserer Gruppe auf.

Am mittleren Wochenende waren wir das erste Mal in Melbourne. Melbourne ist, im Gegensatz zu Adelaide, eine wirkliche Großstadt, mit einer Innenstadt, die aus mehrstöckigen Häusern besteht, vielen Cafés und Restaurants, die noch nicht um 5 bzw. 9 schließen, und schönen Parks und Museen.

Am ersten Tag waren wir in einer M.-C.-Escher-Ausstellung in der NGV, der National Gallery of Victoria. Leider war der Eintrittspreis ziemlich hoch und die Ausstellung war hoffnungslos überfüllt.

Viel schöner und noch dazu kostenlos war — das war eine der Aktivitäten am nächsten Tag — die Ausstellung von verrückten Skulpturen des australischen Künstlers Ken Unsworth.

Demnächst sind wir wohl mal wieder in Melbourne (ich bin da zu einem Vortrag eingeladen), mal schauen, wie es uns dann gefällt.

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