Great Ocean Road 1

Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Australien (wir hatten Weihnachten und die ersten Januarwochen in Deutschland verbracht) ging es auch schon wieder los: In den ersten beiden Februarwochen würde eine Konferenz im Matrix-Insitut in Creswick, nahe Melbourne stattfinden, und wir wollten die Strecke dorthin per Auto überwinden.

Am Freitag morgen wurden wir also von Thomas, unserem deutschen Kollegen in Adelaide, und Uwe, einem weiteren Deutschen, der für die Konferenz angereist war, mit dem Auto abgeholt. Zunächst ging es, gar nicht weit von Adelaide entfernt, durch einige Täler, in denen Wein angebaut und zum Kosten angeboten wird. Natürlich hatten davon nur Uwe und ich etwas (Franzi in anderen Umständen und Thomas der Fahrer), aber auch für die anderen war es ein schöner Ausflug bei nicht zu heißem, aber sonnigen Wetter.

Die erste Station war der d’Arenberg Cube, ein Würfelförmiges Glasgebäude inmitten von Weinfeldern gelegen. Dort kann man — Kostenpunkt 10$ — im obersten Stockwerk Weine kosten. Das Wort des Tages: „adstringierend“, gelernt von Uwe, der sich gut mit Wein auskannte. Nämlich fanden wir alle diese Weine relativ sauer — nein, nicht sauer, sondern eben adstringierend, wie anscheinend der Fachmann sagt — und — trotz des internationalen Rufs des Weingutes — durchaus verzichtbar.

Die zweite Station war ein recht kleines und noch recht neues Weingut (dessen Namen ich jetzt vergessen habe), mit einer schönen Veranda zum Sitzen und kosten, und dementsprechend sehr gemütlichen Ambiente. Das Kosten war hier (Achtung Wortspielzitrone) kostenlos, aber die Weine schmeckten uns deutlich besser als im vorigen, und Uwe hat dann auch eine Flasche gekauft.

Nachdem also die Weinverkostung erledigt war und wir die Weinanbaugebiete südlich von Adelaide hinter uns gelassen hatten, ging es jetzt nun wirklich los mit dem Road Trip. Nördlich am Lake Alexandrina entlang, um dann mit einer kleine Fähre bei Wellington über den Murray River zu setzen. Anschließend fuhren wir dann nach Süden zum Meer und den Coorong entlang. Laut Wikipedia hat dieses Wort seinen Ursprung in der Sprache der Ngarrindjeri (des Ureinwohner-Volkes, das in diesem Gebiet ansässig ist/war) und bedeutet soviel wie „langer Hals“. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein vielleicht hundert Kilometer langes Stück Küste, was am Lake Alexandrina (in welchen der Murray mündet) beginnt, nur kurz nach Victor Harbor und Port Elliot, wo wir schon einmal im Urlaub waren. Auf der gesamten Strecke führt die Straße an einem See entlang, der auf der anderen Seite von einer Dünenbarriere begrenzt wird.

Wir hatten vor, ungefähr auf halber Strecke beim Salt Creek Roadhouse ein mittlerweile schon recht spätes Mittagessen einzunehmen, aber mussten leider feststellen, dass diese — wie Thomas sagte — Institution im Coorong dauerhaft geschlossen ist. Also mussten wir weiter. Irgendwann kamen wir dann südlich vom Coorong in einer Stadt namens Kingston SE an. Mittlerweile war es dann schon 18 Uhr, und wir hatten einen Bärenhunger, der erst einmal gestillt werden musste. Allerdings hatten wir auch noch keine Unterkunft für die Nacht. Also booking.com aufgerufen und einer Unterkunft in der Nähe angerufen, in einer Stadt namens Robe, ca. 30 Minuten entfernt. Ausgemacht, dass wir in anderthalb Stunden da wären und uns Zimmer gesichert. Jedoch hatten wir die Rechnung ohne die Take-Away-Kunden des Restaurants gemacht. Obwohl das Restaurant leer war, dauerte es darum eine gute Stunde, bis wir unser Essen bekamen, weil erst einmal eine Menge Bestellungen abgearbeitet werden mussten (stellte sich natürlich erst später heraus).

Als ich dann anschließend nochmal in der Unterkunft anrief, um anzukündigen, dass wir eine halbe Stunde später als geplant ankommen würden, war die Auskunft „Nah, mate, I waited one and a half hours for you, I am going to bed now.“ Und das um acht Uhr abends. Auf meine entsetzte Nachfrage, wurde noch nachgeschoben: „I mean, why did you choose to eat in fucking Kingston, when you could just eat in beautiful Robe?“ … Mittlerweile war es dann schon kurz nach acht und immer weniger Unterkünfte wurden uns bei booking.com angezeigt. Anscheinend nehmen viele ihre Zimmer zu einer gewissen Zeit aus dem Angebot, wenn sie eben schlafen wollen. Schließlich fanden wir doch noch ein paar Zimmer: Im Caledonian Inn in Robe.

In Australien ist es wohl so, sich viele Bars und Pubs als Hotel deklarieren (was bedeutet, dass sie dann pro forma auch ein paar einfache Zimmer anbieten müssen), weil es dann einfacher ist, eine Lizenz zum Alkohol ausschenken zu bekommen. Das Caledonien Inn war ein Etablissement dieser Machart, mit einfachen, aber ganz vernünftigen Zimmern. Das Problem war nur: Es gab eine Live-Band, und in den Zimmern hörte es sich an, als spielte sie im Nebenzimmer. Oder wie Thomas es ausdrückte: Wahrscheinlich sind wir hier am lautesten Punkt in 200km Umkreis. Kein Problem, dachten wir, das wird wohl spätestens um 11 aufhören. Es wurde 11, es wurde halb 12, es wurde Mitternacht. Und die Musik ging unbeeindruckt weiter.

Schließlich, um 0:15 Uhr, war die Show vorbei, und wir konnten nach diesem langen Tag endlich schlafen.

Einen Kommentar schreiben:

Du mußt angemeldet sein um einen Kommentar abgeben zu können.