Victor Harbor und Port Elliott

Das Leben läuft so vor sich hin, und man macht immer etwas anderes, nur nicht Blog schreiben. Und trotzdem erlebt man nichts, was sich zu berichten lohnt, denkt man zumindest.

Stimmt aber nicht. Neulich waren wir zum Beispiel ein verlängertes Wochenende in Victor Harbor, einem kleinen Ort an der Küste, südlich von Adelaide, und man braucht etwa eine Stunde mit dem Auto. Zur zeitlichen Einordnung: losgefahren sind wir an dem Tag, an dem wir den Koala im Hof hatten 😉

Morgens das Auto bei der Autovermietung abgeholt, alles eingepackt und los ging’s in den Süden. Das erste Mal Linksverkehr. Ich war im Voraus ziemlich nervös, aber wohlweißlich haben wir ein Automatikauto ausgeliehen, so dass ich nicht auch noch mit der linken Hand schalten musste. Im Endeffekt war es gar kein Problem; nach ein paar Wochen als Fußgänger und Fahrradfahrer im Linksverkehr hatte man sich schon daran gewohnt, und das Sitzen auf der rechten Seite des Autos tat sein übriges. Das einzige, was mir ständig passierte (und damit meine ich so ungefähr jedes Mal), war, dass der Scheibenwischer losging, wenn ich den Blinker anmachen wollte.

Unterkunft in einer kleinen Hütte im Ferienresort, direkt an der Küste. Ein Stück weiter gibt es eine Seebrücke, die zu einer kleinen Insel führt (Granite Island, der Name ist Programm). Über die Seebrücke kommt man entweder zu Fuß oder mit einer von Pferden gezogene Tram (letzteres haben wir allerdings nicht in Anspruch genommen).

Das besondere an der Insel: Auf ihr haben kleine Pinguine ihr zu Hause („Faerie Pinguins“ oder auch „Little Penguin“). Tagsüber sind sie im Meer auf Fischfang um dann im Schutze der Dunkelheit zurückzukehren. Anfang der 2000er lebten noch über tausend Exemplare auf der Insel, so dass jedes noch so kleine Loch als Pinguinhöhle diente. Dann ging der Bestand aus ungeklärten Gründen zurück, bis nur noch eine Handvoll Vögel die Stellung hielten; mittlerweile hat sich die Population wieder etwas erholt und man ist jetzt bei um die 50 Exemplare.

Direkt am ersten Abend hatten wir eine geführte Tour, die bei Anbruch der Dunkelheit begann, pünktlich zur Rückkehr der Pinguine. Unser Führer mit einer kleinen rötlich abgedunkelten Taschenlampe ausgerüstet, gingen wir auf die Pirsch. Kurz darauf sahen wir die ersten aus dem Wasser kommen. Im Schutz der Felsen ruhen sie sich zunächst aus und reinigen ihr Gefieder vom Fett, das sie während des Schwimmens vor dem Durchnässen schützt. Dann schauen sie sich argwöhnisch um, ob die Luft rein ist. Irgendwann nehmen sie dann allen ihren Mut zusammen und laufen wie der Blitz auf ihren kleinen Stummelbeinchen los, den Kopf so weit vorgestreckt, dass man sich verwundert fragt, warum sie nicht vornüber fallen. Ihr Ziel ist das sichere Gebüsch, wo ihre Küken im Nest darauf warten, endlich gefüttert zu werden (Quizfrage: Wie wohl? :P)

Wir wechselten ein paar Mal die Stellen und sahen noch weitere Pinguine aus dem Meer steigen, insgesamt wollten sie aber diese Nacht nicht so richtig und zierten sich. Außerdem war es ziemlich kalt geworden, und nach zwei Stunden auf dem Beobachtungsposten waren wir so richtig durchgefroren. Umso fröhlicher waren wir anschließend, im warmen Zimmer unser indisches Takeout-Essen zu haben.

Am nächsten Tag waren wir im Urimbirra Park, einem Tierpark in der Nähe, wo es vor allem australische Tiere zu begucken gab. Riesige Emus und Kasuare zum Beispiel, Krokodile, Ecksen und einige Spezies von Papageien, vor allem gab es aber ein Freigelände, auf dem man Känguruhs aus nächster Nähe sehen und füttern konnte. Nach allem, was wir schon so über Känguruhs gehört hatten (die Kurzfassung: Wie so ungefähr alle australischen Tiere können auch Känguruhs einen umbringen) hatten wir einigen Respekt. Da es sich aber bei den gefährlichen Spezies vor allem um rote Riesenkänguruhs handelt (die aufgerichtet an die zwei Meter groß werden [https://www.news.com.au/technology/science/animals/queensland-woman-attacked-by-kangaroo-after-trying-to-save-husband-speaks-for-the-first-time/news-story/f3eb07602ddb0843dc7184245ff6656c]), es sich bei den dort vorhandenen Spezies aber nur um die Hüfthohen grauen Känguruhs, Wallabys und Quokkas handelte, konnte ich Franzi sogar überzeugen, eines mit der Hand zu füttern.

Nahe bei Victor Harbor liegt eine kleine Stadt namens Port Elliott. Hier verbrachten wir den restlichen Tag an der steinigen Steilküste und einem kleinen versteckten Strand zwischen den Felsen. Auch eine Walmutter mit ihrem Kalb hielt sich während unserer gesamten Zeit dort auf, und wir konnten sie immer mal wieder in der Ferne erahnen. Als wir an einer Stelle auf einem Felsen saßen und picknickten, sahen wir auch sowohl einen Pinguin und eine Robbe aus dem Wasser springen.

Zwischen Port Elliott und Victor Harbor fährt auch ein historischer Zug, der Cockle Train, mit dem wir einen Tag hinfuhren, um anschließend wieder am Strand zurückzulaufen. Der Ort Port Elliott wurde nämlich 1851 gegründet, weil man die vor dem Ort liegende Horseshoe Bay (heißt so wegen ihrer Hufeisenform) für einen guten Hafen hielt. Die Mündung des nahegelegenen Murrey River (auf dem Waren vom Landesinneren an die Küste und umgekehrt transportiert wurden) galt nämlich aus zu unvorhersehbar und gefährlich, und so lud man die Waren vor der Flussmündung auf Züge der neu gebauten Eisenbahnstrecke, um sie dann von Port Elliott zu verschiffen. Leider stellte sich die Horseshoe Bay als genauso heimtückisch heraus wie die Mündung des Murrey River, und so verlegte man den Hafen abermals, nämlich nach Victor Harbor und man verlängerte die Eisenbahnlinie entsprechend.

Falls ihr euch übrigens fragt, warum der Ort Victor Harbor und nicht Victor Harbour heißt (mit OU am Ende wie im britischen Englisch üblich), so kann ich euch noch die Erklärung weitergeben, die am Bahnhof der historischen Eisenbahn auf einer Tafel stand: Die Begründung war, dass der Ort schon so hieß, bevor die Schreibweise von Harbor, Color, Neighbor, etc. in Harbour, Colour und Neighbour geändert wurde. Das kuriose ist aber, dass die Schreibweise angeblich nur deswegen geändert wurde, um dem deutschsprachige Ehemann von Königin Victoria, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, die Aussprache des englischen zu erleichtern. (Eine kurze Internetrecherche bringt aber leider zutage, dass das völliger Quatsch ist: „Harbour“ wurde schon immer so geschrieben, bis es dann irgendwann im amerikanischen Englisch abgeschafft wurde. Für die Schreibweise von Victor Harbor habe ich allerdings keine Erklärung im Internet gefunden.)

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