Den Road-Trip nach Russland gab es vom 25.11. bis 2.12.2009. Hier berichte ich nachträglich davon, schön portionsweise…
Wieder mal übernächtigt nach einer Nacht im Bus zwischen Moskau und Sankt Petersburg ging es am nächsten morgen direkt auf eine Stadtrundfahrt, die uns Gelegenheit gab, unseren Eindruck von Sankt Petersburg zu revidieren: Entlang der Neva sieht die Stadt schon sehr prächtig aus.
Eine weitere Zwiebelkirche gab es dann noch zu besichtigen, mit jeder Menge Taschendieben in der näheren Umgebung: “Attention pickpockets! When we get out of the bus, beware of pickpockets! If you didn’t understand this, ask your neighbor to help you. This is the worst spot in the city. Pickpockets! Ask your neighbor if you didn’t understand. If you are german: Achtung Taschendiebe! Hier am schlimmsten in der Stadt! Attention Pickpockets!”
Kaum gewarnt konnten wir auch schon die Taschendiebe bei der Arbeit beobachten:

Zum Abendessen hatten wir Borschtsch und eine Art russische Quiche (Blätterteig mit verschiedensten Inhalten) in einem Restaurant, das uns von unserer Fremdenführerin empfohlen worden war. Ich finde es nebenbei immer noch bemerkenswert, wie das Wirt Borschtsch im Deutschen 10 Buchstaben braucht, während im russischen (борщ) 4 Buchstaben ausreichen…
Anschließend ging es dann zu einer Aufführung russischer Volkstänze in einem wunderschönen Barocktheater. Absolutes Touristenprogramm natürlich (neben uns waren noch eine große Gruppe Japaner dort, der Inbegriff der Touristerei
), aber trotzdem wirklich nett. Wirklich jedem von uns hat die Vorführung gefallen, besonders die Kerle, die unglaubliche Stunts mit ihren Beinen anstellten (ungefähr so wie hier ab 0:50).
Kleine Übung für zu Hause: Stellt euch auf ein Bein und haltet euren linken Fuß mit der rechten Hand fest. Nun springt mit dem rechten Bein durch die so entstandene Schlaufe. Falls euch der Anspruch nicht genügt, könnt ihr zum Takt einer schnellen Musik immer hin und her springen.
Sehr angenehm war dann noch der Pausenvodka für umgerechnet 4 Euro pro 0.25-Liter-Flasche, was wir uns zu viert teilten. Die zweite Hälfte der Veranstaltung war dann sogar noch lustiger.
Anschließend formierten wir eine kleine Männergruppe mit Max, Steffen, Peter und Ruben (dreimal Deutschland und Uppsalastudenten, einmal belgisch und Student in Göteborg) und liefen noch ein wenig Gin-Tonic-haltend (kann man dort so fertiggemixt in Dosen kaufen) durch das nächtliche Sankt Petersburg Richtung Metrostation. Einen Happen gegessen bei Kroschka Kartoschka und noch ein nettes kleines Kellerrestaurant aufgesucht und ein Guinness getrunken für 100 Rubel (2,5 Euro etwa); diesmal wurde noch nicht einmal etwas auf die Rechnung draufgeschlagen, was das Erlebnis umso positiver gestaltete.
Ach ja, nochmal so was typisch russisches: Man stelle sich den Laden als durchaus feines Speiserestaurant in einem Kellergewölbe vor, in dem man bei Kerzenschein und lauschiger Musik üblicherweise Wein trinkt, sich mit Stoffservietten den Mund abwischt und von einem Kellner mit Weste und Fliege bedient wird. In Russland hängt statt der lauschigen Musik im Hintergrund allerdings ein Flachbildschirm an der Wand, auf dem ein Musikfernsehsender läuft, der nach jeden Song (natürlich die neuesten Popsongs, auf voller Lautstärke) mit einer Minute Klingeltonwerbung spielt. Das passt eben einfach nicht zusammen, aber das schien hier keinem aufzufallen.
Ja, möglicherweise Vorteile. Aber so ein Flachbildschirm hing hier in jedem Restaurant, das wir besuchten.
Dann nahmen wir eine der letzten Metros ins Hotel zurück und ließen den Abend bei Max und Steffen im Zimmer ausklingen. Ach ja, bis auf Peter, der entschied sich, unbedingt noch wegzugehen, ließ die Rezeption eine Disko raussuchen und ein Taxi bestellen und fuhr alleine Party machen. Respekt!
Viel Russland blieb dann aber auch nicht mehr. Unser Hotel verabschiedete uns am nächsten morgen noch mal stilecht mit verschimmeltem Toastbrot zum Frühstück, das auch während ich beim Frühstück saß nicht ausgetauscht wurde, dann ging es auch schon zum Bus und zurück Richtung Finnland. Um etwa 13 Uhr hatte uns die EU wieder. Zu Hause! Irgendwie.
Noch ein kleiner Zwischenstop in Helsinki war zeitlich drin (Wrong Noodles - echt lecker!) und dann ging es nach Turku zum Hafen, ein letztes Mal Bootparty (hint, hint!) und dann um 6 Uhr morgens: Stockholm, Schweden. -5 Grad. Raureif.