Kangaroo Island

Matthias am 28. Mai 2019 um 01:38

In der ersten Märzwoche waren wir auf Kangaroo Island, einer großen Insel vor der Küste von Australien, etwas südlich von Adelaide. Eine Woche Urlaub zu zweit, bevor wir dann erst wieder zu zweit in Urlaub fahren wenn wir schon alt und grau sind 😉

Nach Känguruh Island kommt man mit einer sehr teuren Autofähre (knapp 500$ für uns beide und das Mietauto) und dann landet man in einem kleinen Küstenort namens Penneshaw. Wir hatten ein geräumiges Ferienhaus in Kingscote, dem größten Ort auf Känguruh Island, und direkt am Anreisetag bekamen wir einen guten Eindruck von den Dimensionen der Insel, als wir nach Anlandung erst einmal noch 45 Minuten mit dem Auto zu unserer Unterkunft fahren mussten — und dabei befinden sich sowohl Penneshaw als auch Kingscote so ziemlich im Osten der Insel.

Übrigens war es die ganze letzte Woche in Adelaide unterträglich heiß gewesen, mit Temperaturen täglich über 30 Grad; am Donnerstag und Freitag erreichte das Thermometer sogar die 40-Grad-Marke und auch nachts sank die Temperatur nicht mehr nennenswert unter 30 Grad. Auf Känguruh Island dann der Wetterwechsel: Am Anreisetag war es noch sehr warm und wir setzten uns nach Ankunft erst einmal in unser Wohnzimmer und drehten die Klimaanlage auf. Dann um 17 Uhr die Überraschung: Es war tatsächlich kühl und windig draußen, und auf unserem Abendspaziergang mussten wir sogar den Pullover anziehen. Welch ein Genuss!

Einen guten Eindruck davon, wie ausgestorben Känguruh Island ist, bekamen wir dann am zweiten Tag: Wir fuhren zum einzigen „Event“, das für unserer Woche auf der Insel auf den einschlägigen Internetseiten beworben wurde, dem Farmer’s Market in Penneshaw. Dabei handelte es sich um genau 9 Stände mit allerlei Krimskrams: Die eine verkaufte hausgemachte Marmelade und Chutneys, die andere selbstgeflochtene Bastkörbe, eine weitere Kühlschrankmagneten mit Känguruh-Island-Motiven, und natürlich gab es noch einen Kaffeestand. Gemüse oder so gab es nicht. Dafür sorgte ein Mann mit Gitarre für eine gute Stimmung bei den Besuchern, die gegenüber den Standbesitzern trotz deren geringer Zahl noch in Unterzahl waren (es handelte sich um eine Familie mit kleinem Kind und uns).

Anschließend fuhren wir denn eine nicht asphaltierte Straße die Küste entlang, um den Ostteil der Insel südlich von Penneshaw zu erkunden. Zunächst der Lashmar Conservation Park: Hier gibt es einen kleinen Fluss, der — typisch Australien — kurz vor dem Meer versandet, sowie einen wunderbaren Strand wo wir herrlich baden konnten. Wir waren übrigens die ganze Zeit ganz alleine auf weiter Flur. Nach ausreichendem Am-Strand-Liegen fuhren wir dann noch die Schotterstraße zu Ende, zum Cape Willoughby, wo es einen Leuchtturm gibt; leider alles geschlossen und keine Menschenseele weit und breit. Zu viel los ist hier jedenfalls nicht.

Die nächsten beiden Tage erkundeten wir dann weitere Strände: Seal Bay (dort darf man nur aus der Ferne die Seelöwen begucken, die dort am Strand liegen), Vivonne Bay, Stokes Bay und Emu Bay. Besonders Stokes Bay ist eine tolle Erfahrung, da man erst eine schmale Schlucht durch den Fels passieren muss (teilweise muss man sich ducken), bevor der Strand sich vor einem öffnet. Baden kann man hier aber wegen zu starker Stömungen nicht. So schlimm war das aber nicht, denn mittlerweile hatte es sich ohnehin noch weiter abgekühlt und der Wind war ziemlich stark, so dass es einem ohnehin nicht so sehr nach Baden zumute war. Im Gebüsch vor der Felspassage sahen wir übrigens noch zwei kleine Wallabies, die ersten Känguruhs, die wir auf der Insel gesehen haben (abgesehen von vielen Toten am Straßenrand).

Nach einem Ruhetag am Mittwoch fuhren wir die nächsten beiden Tage zum Nationalpark Flinders Chase. Hier betrachteten wir die Remarkable Rocks, faszinierend geformte Steine direkt an der Steilküste. Direkt daneben gibt es das Kap Couedic, an dessen Felsenküste man hunderte von Fur Seals aus nächster Nähe beobachten konnte, eine heimischen Seehundart. Das beeindruckenste war aber der Admiral’s Arch, eine riesige natürliche Brücke am äußersten Ende des Kaps.

Am nächsten Tag fuhren wir noch einmal nach Flinders Chase um eine Wanderung zu den Schnabeltiertümpeln zu unternehmen. Wer Schnabeltiere nicht kennt: Sie haben Fell wie ein Seehund, einen Schwanz wie ein Otter, Schnäbel wie eine Ente, sie legen reptilienartige Eier, und säugen anschließend ihre Jungen in einem Beutel. So etwas gibt es nur in Australien 😉 Leider waren die Tümpel größtenteils ausgetrocknet, so dass die Schnabeltiere vielleicht noch im Sommerschlaf waren, und es war wohl auch nicht die richtige Tageszeit, jedenfalls hatten wir kein Glück mit der Sichtung. Zur Entschädigung lief uns jedoch ein Schnabeligel (auch Ameisenigel genannt) über den Weg, der ohne uns weiter zu beachten, an Baumrinden herumscharrte. Ameisenigel sind die zweite eierlegende Säugetierart; sie sind ebenfalls Beuteltiere, haben aber lange Stacheln wie ein Igel und eine lange Schnauze wie ein Ameisenbär.

Unserem letzten Tag auf Känguruh Island wollten wir noch einmal am Strand verbringen. Da wir nach jeweils 200 km Fahrt an den letzten beiden Tagen nicht mehr ganz so viel Zeit im Auto verbringen wollten, entschieden wir uns ganz unbedarft für die nahegelegene Pennington Bay und landeten damit einen Volltreffer. Ein wunderschöner Strand mit einer atemberaubenden Küstenlandschaft und sogar einem mobilen Kaffeestrand, dem „Beach Barista“. Das beste aber: Gerade als wir ankamen, zogen ein Dutzend Delfine die Küste entlang, und man konnte sie wunderbar dabei beobachten, wie sie die riesigen Wellen langsurften.

Am Abreisetag machten wir noch einen längeren Strandspaziergang am Island Beach auf dem Weg nach Penneshaw, bevor wir zum Fähranleger weiterfuhren. Bemerkenswert: Als wir an einem Haus vorbeifuhren, sahen wir auf dem Hof ein riesiges Känguruh stehen (aufgerichtet bestimmt mannshoch), was ganz entspannt ein bisschen Gras kaute.

Zum Abschluss noch einmal Baden in der Hog Bay, direkt neben dem Fähranleger. Es war wieder relativ warm geworden, und das wunderbar klare Wasser bot eine herrliche Erfrischung zum Abschluss.

Alles in allem war es ein sehr schöner entspannter Urlaub. Känguruh Island ist sicherlich eine Reise wert. Einziges Manko: Die großen Distanzen. Wenn man die Sehenswürdigkeiten alle sehen möchte, muss man schon damit rechnen, täglich einige Zeit im Auto zu verbringen.

Creswick

Matthias am 9. April 2019 um 03:31

In den ersten beiden Februarwochen fand der „Australian-German Workshop on Differential Geometry in the Large“ statt, eine zweiwöchige Konferenz im noch ziemlich jungen MATRIX-Institut in Creswick, etwa anderthalb Stunden außerhalb von Melbourne. Das Matrix-Institut liegt in einem mittlerweile weitestgehend stillgelegten Außencampus der Universität Melbourne, wo früher (und wohl auch teilweise heute noch) angehende Förster das Förstern lernten. Creswick ist ein Ort von wenigen hundert Seelen und einem Pub (dem „Farmer’s Arms“, wo es nebenbei gemerkt gutes Bier und recht leckeres Essen gibt). „In Australien gibt es zwei Arten von Orten:“ meinte einer, „die ohne Ampel und die mit.“ Nach dieser Wertung (und wirklich nur nach dieser), ist Creswick ein großer Ort, denn es gibt tatsächlich eine Fußgängerampel in der Mitte des Ortes, über die Hauptstraße.

Der besagte Campus liegt am Rand des Ortes auf einem Hügel, und direkt danach folgt der Wald. Wie gesagt, Förster und so. Dementsprechend konnte man, wenn man abends vor der Dämmerung einen Rundgang durch den Wald machte, einige Känguruhs sehen, und manche wagten sich auch bis auf die Wiesen auf dem Campus vor, um zu grasen. Auch Schwärme von Kakadus machen das Gelände unsicher, und jeden Abend und jeden Morgen (ab etwa 4-5 Uhr) sammelten sich diese auf den Bäumen gegenüber unseres Zimmers. Eine unglaublich Geräuschkulisse, derer man nur mit Ohrenstöpseln einigermaßen Herr werden konnte.

Creswick befindet sich ganz in der Nähe der ehemaligen Golgräberstadt Ballarat, wohin wir an einem Konferenznachmittag einen Ausflug machten. Genauer gesagt, gibt es dort ein Freilichtmuseum mit einer alten Goldgräberstadt. Dort konnte man selber an einem Fluss nach Gold suchen (wir erfuhren, dass jeden Tag 160$ in winzigen Goldnuggets dort ausgeschüttet werden, die man dann finden und in kleinen Phiolen mit nach Hause nehmen konnte). Auch gab es ein Bergwerk, in das man hinunterfahren konnte (allerdings gegen einen Aufpreis), man konnte Goldgießen und Münzprägen begutachten, und etwas über die Geschichte der Gegend lernen. In einem Teil des Camps gab es auch das „chinesische Lager“, wo die Slumähnlichen Siedlungen der chinesischen Einwanderer nachgebildet, und die rassischen Ungerechtigkeiten dokumentiert waren, denen diese ausgesetzt waren. Ziemlich ähnlich zum Goldrausch in Kalifornien, fiel den amerikanischen Gästen in unserer Gruppe auf.

Am mittleren Wochenende waren wir das erste Mal in Melbourne. Melbourne ist, im Gegensatz zu Adelaide, eine wirkliche Großstadt, mit einer Innenstadt, die aus mehrstöckigen Häusern besteht, vielen Cafés und Restaurants, die noch nicht um 5 bzw. 9 schließen, und schönen Parks und Museen.

Am ersten Tag waren wir in einer M.-C.-Escher-Ausstellung in der NGV, der National Gallery of Victoria. Leider war der Eintrittspreis ziemlich hoch und die Ausstellung war hoffnungslos überfüllt.

Viel schöner und noch dazu kostenlos war — das war eine der Aktivitäten am nächsten Tag — die Ausstellung von verrückten Skulpturen des australischen Künstlers Ken Unsworth.

Demnächst sind wir wohl mal wieder in Melbourne (ich bin da zu einem Vortrag eingeladen), mal schauen, wie es uns dann gefällt.

Great Ocean Road 2

Matthias am 23. März 2019 um 22:05

Am zweiten Tag unseres Roadtrips stand nun die eigentliche Attraktion auf dem Weg nach Melbourne an: Die Great Ocean Road, ein wunderschönes Stück Küste, das südwestlich von Warnambool beginnt, und dann fast bis Melbourne führt.

Der erste Stop des Tages war aber noch vor dem Beginn dieser Teilstrecke, in Mount Gambier, am Blue Lake, einem märchenhaften Kratersee mit Azurblauem Wasser.

Die beiden Hauptattraktionen auf dem ersten Teilabschnitt der Great Ocean Road waren dann die London Arch und die Twelve Apostles. Die London Arch hieß bis 1990 London Bridge, weil sie wie eine Brücke in einem Doppelbogen mit zwei Pfeilern von der Steilküste aus ins Meer führte. Am 15. Januar 1990 stürzte dann der landnähere Bogen ein, sodass es jetzt nur noch ein riesiger Bogen ist, die einzeln im Meer steht. Bei dem Einsturz wurde niemand verletzt, aber ein Pärchen, das sich auf dem äußeren Ende befand, war durch den Zusammenbruch auf der neugeschaffenen Insel gefangen und musste von einem Helikopter gerettet werden. Ein Kollege von der Uni wusste noch folgendes pikantes Detail: Die beiden waren zwar verheiratet, allerdings nicht miteinander. Also wurde im landesweiten Fernsehen nicht nur das Naturereignis sondern auch ihr heimlicher Ausflug für die Öffentlichkeit dokumentiert 😉

Bezüglich der Unterkünfte hatten wir uns übrigens überlegt, dass wir uns einfach abends eine Unterkunft buchen würden. War ja nicht innerhalb der Schulferien. Was wir nicht bedacht hatten: Chinese New Year.

Dass nämlich genau dieses Wochenende an das chinesische Neujahrsfest angrenzte, bekamen wir erst mit, als ich — diesmal etwas früher als gestern — versuchte, eine Unterkunft zu finden und ALLES ausgebucht war. DAS war also der Grund, dass überall alles voll war mit Chinesen! Mit Müh und Not bekamen wir dann über Beziehungen einer netten Motelbesitzerin zwei Hüttchen auf einem Campingplatz zugeschoben, die nicht bei Booking.com ausgeschrieben waren.

Übrigens, ich habe noch gar nichts über die Twelve Apostles geschrieben: Der Campingplatz hieß nämlich schon „Twelve Apostles Campground“ und befand sicb ganz in der Nähe des bekannten Wahrzeichens etwas südlich von der London Bridge. Dort waren wir gegen 18 Uhr, und nach einem kurzen Abendessen (ok, so schnell ging das mal wieder nicht, weil wir über eine Stunde auf unsere Pizza warten mussten, Take-Away-Kunden sei dank) den Sonnenuntergang bei den Twelve Apostles anschauen konnten. Das waren einmal zwölf riesige Stein-Zinnen, die vor der Steilküste in in die Höhe ragten (Teile der Küste, die sich irgendwann gelöst haben, ähnlich wie die Lange Anna auf Helgoland), aber mittlerweile sind vier zusammengestürzt, und jetzt sind es nur noch acht.

Wir gingen zum Strand hinunter, ließen uns die Fuße von Wellen umspülen und sahen die Sonne hinter den Felsen untergehen. Traumhaft!

Der nächste Tag hatte dann noch ein Highlight parat: Den Great Otway Nationalpark, ein Regenwald direkt an der Südküste von Australien. Leider hatten wir nicht für mehr Zeit als für einen kurzen Rundgang auf einem Holzpfad durch die beeindruckende Flora.

Das letzte Stück nach Melbourne besteht dann weniger aus ausgezeichneten Sehenswürdigkeiten, sondern ist einfach ein hübsches Stück Küste mit einigen schönen Badeorten und wundervollen Stränden. Für ein ausgiebiges Bad im — ist das eigentlich das Südpolarmeer?? — reichte unsere Zeit dann auch.

Der Rest des Tages bestand dann daraus, das Mietauto am Flughafen in Melbourne abzugeben, mit dem Flughafenbus nach Ballarat zu fahren, wo wir mit dem Bus (zusammen mit einigen anderen Deutschen) abgeholt und zum Matrix-Institut in Creswick gebracht wurden, wo am nächsten Tag die Konferenz beginnen würde.

Great Ocean Road 1

Matthias am 8. März 2019 um 01:13

Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Australien (wir hatten Weihnachten und die ersten Januarwochen in Deutschland verbracht) ging es auch schon wieder los: In den ersten beiden Februarwochen würde eine Konferenz im Matrix-Insitut in Creswick, nahe Melbourne stattfinden, und wir wollten die Strecke dorthin per Auto überwinden.

Am Freitag morgen wurden wir also von Thomas, unserem deutschen Kollegen in Adelaide, und Uwe, einem weiteren Deutschen, der für die Konferenz angereist war, mit dem Auto abgeholt. Zunächst ging es, gar nicht weit von Adelaide entfernt, durch einige Täler, in denen Wein angebaut und zum Kosten angeboten wird. Natürlich hatten davon nur Uwe und ich etwas (Franzi in anderen Umständen und Thomas der Fahrer), aber auch für die anderen war es ein schöner Ausflug bei nicht zu heißem, aber sonnigen Wetter.

Die erste Station war der d’Arenberg Cube, ein Würfelförmiges Glasgebäude inmitten von Weinfeldern gelegen. Dort kann man — Kostenpunkt 10$ — im obersten Stockwerk Weine kosten. Das Wort des Tages: „adstringierend“, gelernt von Uwe, der sich gut mit Wein auskannte. Nämlich fanden wir alle diese Weine relativ sauer — nein, nicht sauer, sondern eben adstringierend, wie anscheinend der Fachmann sagt — und — trotz des internationalen Rufs des Weingutes — durchaus verzichtbar.

Die zweite Station war ein recht kleines und noch recht neues Weingut (dessen Namen ich jetzt vergessen habe), mit einer schönen Veranda zum Sitzen und kosten, und dementsprechend sehr gemütlichen Ambiente. Das Kosten war hier (Achtung Wortspielzitrone) kostenlos, aber die Weine schmeckten uns deutlich besser als im vorigen, und Uwe hat dann auch eine Flasche gekauft.

Nachdem also die Weinverkostung erledigt war und wir die Weinanbaugebiete südlich von Adelaide hinter uns gelassen hatten, ging es jetzt nun wirklich los mit dem Road Trip. Nördlich am Lake Alexandrina entlang, um dann mit einer kleine Fähre bei Wellington über den Murray River zu setzen. Anschließend fuhren wir dann nach Süden zum Meer und den Coorong entlang. Laut Wikipedia hat dieses Wort seinen Ursprung in der Sprache der Ngarrindjeri (des Ureinwohner-Volkes, das in diesem Gebiet ansässig ist/war) und bedeutet soviel wie „langer Hals“. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein vielleicht hundert Kilometer langes Stück Küste, was am Lake Alexandrina (in welchen der Murray mündet) beginnt, nur kurz nach Victor Harbor und Port Elliot, wo wir schon einmal im Urlaub waren. Auf der gesamten Strecke führt die Straße an einem See entlang, der auf der anderen Seite von einer Dünenbarriere begrenzt wird.

Wir hatten vor, ungefähr auf halber Strecke beim Salt Creek Roadhouse ein mittlerweile schon recht spätes Mittagessen einzunehmen, aber mussten leider feststellen, dass diese — wie Thomas sagte — Institution im Coorong dauerhaft geschlossen ist. Also mussten wir weiter. Irgendwann kamen wir dann südlich vom Coorong in einer Stadt namens Kingston SE an. Mittlerweile war es dann schon 18 Uhr, und wir hatten einen Bärenhunger, der erst einmal gestillt werden musste. Allerdings hatten wir auch noch keine Unterkunft für die Nacht. Also booking.com aufgerufen und einer Unterkunft in der Nähe angerufen, in einer Stadt namens Robe, ca. 30 Minuten entfernt. Ausgemacht, dass wir in anderthalb Stunden da wären und uns Zimmer gesichert. Jedoch hatten wir die Rechnung ohne die Take-Away-Kunden des Restaurants gemacht. Obwohl das Restaurant leer war, dauerte es darum eine gute Stunde, bis wir unser Essen bekamen, weil erst einmal eine Menge Bestellungen abgearbeitet werden mussten (stellte sich natürlich erst später heraus).

Als ich dann anschließend nochmal in der Unterkunft anrief, um anzukündigen, dass wir eine halbe Stunde später als geplant ankommen würden, war die Auskunft „Nah, mate, I waited one and a half hours for you, I am going to bed now.“ Und das um acht Uhr abends. Auf meine entsetzte Nachfrage, wurde noch nachgeschoben: „I mean, why did you choose to eat in fucking Kingston, when you could just eat in beautiful Robe?“ … Mittlerweile war es dann schon kurz nach acht und immer weniger Unterkünfte wurden uns bei booking.com angezeigt. Anscheinend nehmen viele ihre Zimmer zu einer gewissen Zeit aus dem Angebot, wenn sie eben schlafen wollen. Schließlich fanden wir doch noch ein paar Zimmer: Im Caledonian Inn in Robe.

In Australien ist es wohl so, sich viele Bars und Pubs als Hotel deklarieren (was bedeutet, dass sie dann pro forma auch ein paar einfache Zimmer anbieten müssen), weil es dann einfacher ist, eine Lizenz zum Alkohol ausschenken zu bekommen. Das Caledonien Inn war ein Etablissement dieser Machart, mit einfachen, aber ganz vernünftigen Zimmern. Das Problem war nur: Es gab eine Live-Band, und in den Zimmern hörte es sich an, als spielte sie im Nebenzimmer. Oder wie Thomas es ausdrückte: Wahrscheinlich sind wir hier am lautesten Punkt in 200km Umkreis. Kein Problem, dachten wir, das wird wohl spätestens um 11 aufhören. Es wurde 11, es wurde halb 12, es wurde Mitternacht. Und die Musik ging unbeeindruckt weiter.

Schließlich, um 0:15 Uhr, war die Show vorbei, und wir konnten nach diesem langen Tag endlich schlafen.

Victor Harbor und Port Elliott

Matthias am 13. November 2018 um 19:16

Das Leben läuft so vor sich hin, und man macht immer etwas anderes, nur nicht Blog schreiben. Und trotzdem erlebt man nichts, was sich zu berichten lohnt, denkt man zumindest.

Stimmt aber nicht. Neulich waren wir zum Beispiel ein verlängertes Wochenende in Victor Harbor, einem kleinen Ort an der Küste, südlich von Adelaide, und man braucht etwa eine Stunde mit dem Auto. Zur zeitlichen Einordnung: losgefahren sind wir an dem Tag, an dem wir den Koala im Hof hatten 😉

Morgens das Auto bei der Autovermietung abgeholt, alles eingepackt und los ging’s in den Süden. Das erste Mal Linksverkehr. Ich war im Voraus ziemlich nervös, aber wohlweißlich haben wir ein Automatikauto ausgeliehen, so dass ich nicht auch noch mit der linken Hand schalten musste. Im Endeffekt war es gar kein Problem; nach ein paar Wochen als Fußgänger und Fahrradfahrer im Linksverkehr hatte man sich schon daran gewohnt, und das Sitzen auf der rechten Seite des Autos tat sein übriges. Das einzige, was mir ständig passierte (und damit meine ich so ungefähr jedes Mal), war, dass der Scheibenwischer losging, wenn ich den Blinker anmachen wollte.

Unterkunft in einer kleinen Hütte im Ferienresort, direkt an der Küste. Ein Stück weiter gibt es eine Seebrücke, die zu einer kleinen Insel führt (Granite Island, der Name ist Programm). Über die Seebrücke kommt man entweder zu Fuß oder mit einer von Pferden gezogene Tram (letzteres haben wir allerdings nicht in Anspruch genommen).

Das besondere an der Insel: Auf ihr haben kleine Pinguine ihr zu Hause („Faerie Pinguins“ oder auch „Little Penguin“). Tagsüber sind sie im Meer auf Fischfang um dann im Schutze der Dunkelheit zurückzukehren. Anfang der 2000er lebten noch über tausend Exemplare auf der Insel, so dass jedes noch so kleine Loch als Pinguinhöhle diente. Dann ging der Bestand aus ungeklärten Gründen zurück, bis nur noch eine Handvoll Vögel die Stellung hielten; mittlerweile hat sich die Population wieder etwas erholt und man ist jetzt bei um die 50 Exemplare.

Direkt am ersten Abend hatten wir eine geführte Tour, die bei Anbruch der Dunkelheit begann, pünktlich zur Rückkehr der Pinguine. Unser Führer mit einer kleinen rötlich abgedunkelten Taschenlampe ausgerüstet, gingen wir auf die Pirsch. Kurz darauf sahen wir die ersten aus dem Wasser kommen. Im Schutz der Felsen ruhen sie sich zunächst aus und reinigen ihr Gefieder vom Fett, das sie während des Schwimmens vor dem Durchnässen schützt. Dann schauen sie sich argwöhnisch um, ob die Luft rein ist. Irgendwann nehmen sie dann allen ihren Mut zusammen und laufen wie der Blitz auf ihren kleinen Stummelbeinchen los, den Kopf so weit vorgestreckt, dass man sich verwundert fragt, warum sie nicht vornüber fallen. Ihr Ziel ist das sichere Gebüsch, wo ihre Küken im Nest darauf warten, endlich gefüttert zu werden (Quizfrage: Wie wohl? :P)

Wir wechselten ein paar Mal die Stellen und sahen noch weitere Pinguine aus dem Meer steigen, insgesamt wollten sie aber diese Nacht nicht so richtig und zierten sich. Außerdem war es ziemlich kalt geworden, und nach zwei Stunden auf dem Beobachtungsposten waren wir so richtig durchgefroren. Umso fröhlicher waren wir anschließend, im warmen Zimmer unser indisches Takeout-Essen zu haben.

Am nächsten Tag waren wir im Urimbirra Park, einem Tierpark in der Nähe, wo es vor allem australische Tiere zu begucken gab. Riesige Emus und Kasuare zum Beispiel, Krokodile, Ecksen und einige Spezies von Papageien, vor allem gab es aber ein Freigelände, auf dem man Känguruhs aus nächster Nähe sehen und füttern konnte. Nach allem, was wir schon so über Känguruhs gehört hatten (die Kurzfassung: Wie so ungefähr alle australischen Tiere können auch Känguruhs einen umbringen) hatten wir einigen Respekt. Da es sich aber bei den gefährlichen Spezies vor allem um rote Riesenkänguruhs handelt (die aufgerichtet an die zwei Meter groß werden [https://www.news.com.au/technology/science/animals/queensland-woman-attacked-by-kangaroo-after-trying-to-save-husband-speaks-for-the-first-time/news-story/f3eb07602ddb0843dc7184245ff6656c]), es sich bei den dort vorhandenen Spezies aber nur um die Hüfthohen grauen Känguruhs, Wallabys und Quokkas handelte, konnte ich Franzi sogar überzeugen, eines mit der Hand zu füttern.

Nahe bei Victor Harbor liegt eine kleine Stadt namens Port Elliott. Hier verbrachten wir den restlichen Tag an der steinigen Steilküste und einem kleinen versteckten Strand zwischen den Felsen. Auch eine Walmutter mit ihrem Kalb hielt sich während unserer gesamten Zeit dort auf, und wir konnten sie immer mal wieder in der Ferne erahnen. Als wir an einer Stelle auf einem Felsen saßen und picknickten, sahen wir auch sowohl einen Pinguin und eine Robbe aus dem Wasser springen.

Zwischen Port Elliott und Victor Harbor fährt auch ein historischer Zug, der Cockle Train, mit dem wir einen Tag hinfuhren, um anschließend wieder am Strand zurückzulaufen. Der Ort Port Elliott wurde nämlich 1851 gegründet, weil man die vor dem Ort liegende Horseshoe Bay (heißt so wegen ihrer Hufeisenform) für einen guten Hafen hielt. Die Mündung des nahegelegenen Murrey River (auf dem Waren vom Landesinneren an die Küste und umgekehrt transportiert wurden) galt nämlich aus zu unvorhersehbar und gefährlich, und so lud man die Waren vor der Flussmündung auf Züge der neu gebauten Eisenbahnstrecke, um sie dann von Port Elliott zu verschiffen. Leider stellte sich die Horseshoe Bay als genauso heimtückisch heraus wie die Mündung des Murrey River, und so verlegte man den Hafen abermals, nämlich nach Victor Harbor und man verlängerte die Eisenbahnlinie entsprechend.

Falls ihr euch übrigens fragt, warum der Ort Victor Harbor und nicht Victor Harbour heißt (mit OU am Ende wie im britischen Englisch üblich), so kann ich euch noch die Erklärung weitergeben, die am Bahnhof der historischen Eisenbahn auf einer Tafel stand: Die Begründung war, dass der Ort schon so hieß, bevor die Schreibweise von Harbor, Color, Neighbor, etc. in Harbour, Colour und Neighbour geändert wurde. Das kuriose ist aber, dass die Schreibweise angeblich nur deswegen geändert wurde, um dem deutschsprachige Ehemann von Königin Victoria, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, die Aussprache des englischen zu erleichtern. (Eine kurze Internetrecherche bringt aber leider zutage, dass das völliger Quatsch ist: „Harbour“ wurde schon immer so geschrieben, bis es dann irgendwann im amerikanischen Englisch abgeschafft wurde. Für die Schreibweise von Victor Harbor habe ich allerdings keine Erklärung im Internet gefunden.)

Koalas

Matthias am 14. Oktober 2018 um 01:30

Ich hinke schon ziemlich hinterher mit Dingen, über die ich eigentlich schreiben wollte. Zum Beispiel ist es nun schon zwei Wochen her, dass wir in Morialta waren, einem Nationalpark in den Bergen knapp außerhalb von Adelaide. Naja, besser spät als nie.

Zum Park sind wir mit dem Bus gekommen, insgesamt fährt man vom Stadtzentrum etwa eine halbe Stunde. Während der Fahrt wird es immer hügeliger, bis die Hügel am Ende der Fahrt in einige hundert Meter hohe Berge mit teilweise steilen Abhängen und Felswänden übergehen. So kommt es, dass der Fluss, der durch den Park fließt, insgesamt drei Wasserfälle aufweist.

Unsere Wanderung (Länge: etwa 7km durchs Gebirge; Dauer: Angeblich 3.5 Stunden, von denen wir aber nur 2 gebraucht haben) führte uns an den oberen beiden Wasserfällen vorbei. Am schönsten war es dann aber, am Ende durch das Tal zum untersten und größten Wasserfall zu wandern.

Jetzt aber komme ich zum eigentlichen Thema dieses Blogeintrages: Wir haben unsere ersten Koalas in freier Wildbahn gesehen: Im Tal saßen sie überall in den Bäumen. Oft waren sie mit dem Fressen von Blättern beschäftigt; meistens aber saßen sie einfach nur zusammengekauert im Geäst und hielten ein Verdauungsschläfchen. Fun fact: Ihre Hintern haben eine praktische Kuhle, die perfekt auf eine Astgabel passt, so dass sie dort bequem und sicher sitzen können. Ansonsten war es für uns bemerkenswert, auf welch dünnen Ästen Koalas völlig unbeeindruckt herumklettern. Andererseits sind sie ja auch nicht besonders groß.

Wenn man Erfahrung hat, kann man sie übrigens an ihren Ausscheidungen auf dem Boden erkennen, in dem Fall, dass man sie selbst erst nicht sieht, weil sie gut versteckt im Blätterwerk sitzen.

Koalas gibt es aber nicht nur in Wildparks außerhalb der Stadt, sondern vereinzelt auch in der Stadt: Entlang des River Torrens, der direkt vor unserem College fließt, sieht man sie manchmal in den Bäumen sitzen. Letztes Wochenende saß aber sogar ein Koala auf dem Baum, der im Hof des Colleges steht. Alle waren total aus dem Häuschen: Hier hatte man vorher noch nie einen Koala gesehen. Manche haben beobachtet, wie er am Samstag morgen den Baum hinaufkletterte: Auf der Hälfte des Weges hatte ein paar Elstern ihr Nest und hielten ihn für einen Eierdieb. Als attackierten sie ihn mit Getöse, flogen an ihm vorbei und streiften ihn mit den Flügen. Dem Koala war’s egal; er kletterte unbeeindruckt weiter nach oben, bis die Elstern von ihm abließen, wohl weil sie merkten, dass er es nicht auf ihr Nest abgesehen hatte.

Wir sind dann über das verlängerte Wochenende (Montag war Labour Day, ein Feiertag) nach Süden an die Küste gefahren, konnten also den Koala nicht weiter beobachten. Allerdings haben wir dort Koalas im Urimbirra Wildlife Park gesehen. Einer hat nur wenige Meter von uns geschlafen. Allerdings war das wieder im Gehege.

Als wir dann nach dem Wochenende zurückkamen, war unser Hauskoala leider wieder seines Weges gezogen.

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P.S.: Die Sache mit den Elstern ist übrigens interessant. Gerade ist die Brutsaison von den hier heimischen Elstern (bzw. sie geht gerade vorbei), und es passiert wohl sehr häufig, dass Menschen von Elstern attackiert werden, wenn sie sich Elsternnestern zu sehr nähern. Besonders betroffen sind anscheinen Fahrradfahrer, und aus diesen Grund haben viele Radler wehrhafte Stacheln an ihren Helmen, meist aus Kabelbinder hergestellt.